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Smooth criminal~ dem dem dededemm dem dededemm dem~

Diese Woche gibt es kein Figuren-Review, sondern ein Tutorial!
Ich habe in letzter Zeit immer häufiger Anfragen bekommen, wie man Figuren wieder hinbekommt, die angefangen haben zur Seite zu lehnen. Da gibt es ein paar Methoden, doch heute konzentrieren wir uns hauptsächlich auf heiße/kalte Wasserbäder. Das funktioniert so gut wie immer und damit kann ich auch mittlerweile am besten umgehen.

Zu allererst einmal: Warum fangen Figuren an zur Seite zu lehnen?

Die meisten Figuren (ausgenommen GK’s, etc) sind aus PVC. PVC ist ein optimaler Werkstoff, um flexible und detaillierte Figuren herzustellen. Außerdem ist er relativ günstig und leicht zu verarbeiten (im Vergleich zu anderen Kunststoffarten).
Der Nachteil an der ganzen Sache ist, dass PVC ein Thermoplast ist und Thermoplasten werden leider weich, wenn sie großer Hitze ausgesetzt werden.

Im Laufe der Zeit kann das dazu führen, dass die Figur sich zu einer Seite neigt. Etwa, weil die Pose der Figur sehr dynamisch gestaltet oder weil das Gewicht der allgemein nicht gleichmäßig verteilt wurde. Die Gestaltung der Base spielt hierbei auch eine Rolle.
Ein weiteres Problem, das – leider – anscheinend bei Figurenherstellern immer beliebter wird, ist dass die Qualitätskontrolle wohl oftmals nicht mehr so akribisch durchgeführt wird wie früher. Manchmal bekommt man einfach eine Figur die von Anfang an schief aus der Box kommt.

Falls Letzteres nicht der Fall sein sollte, gibt es aber Mittel und Wege, die dem bis zu einem gewissen Grad entgegenwirken können:

  • Stellt sicher, dass das Regal/die Vitrine/der Platz wo ihr auch immer eure Figuren aufstellt im Wasser ist, d.h. gerade. Besorgt euch eine kleine Wasserwaage und schiebt zB einfach kleine Pappdeckel unter, um Unebenheiten auszugleichen.
  • Stellt sicher, dass die Temperatur des Raums oder der Vitrine nicht übermäßig ansteigt. Immer eine gute Idee ist es, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden oder wenigstens die Möglichkeit zu haben, die Vorhänge zuzuziehen. Meine 3 Vitrinen stehen alle in der Nähe eines Fensters, also ziehe ich an sonnigen Tagen einfach einen meiner Vorhänge zu, damit die Figuren im Schatten stehen.
  • Was dabei auch absolut nützlich ist, sind kleine Thermometer, die man neben die Figuren stellen kann. Die stehen bei mir zumindest herum und haben sich schon als kleine (Figuren)Lebens-Retter herausgestellt. So Pi mal Daumen versuche ich, die Temperatur nicht über 25°C steigen zu lassen. Falls das dann doch einmal passiert, öffne ich einfach die Vitrinentüren um die heiße Luft raus und frische Luft rein zu lassen. Alternativ könnte man natürlich auch einen Ventilator aufstellen.

 

Was ihr braucht:

  • Wasserkocher
  • Behälter, die ein bisschen Hitze vertragen können und groß genug für die Figuren sind
  • Abtrocken-Tuch / Mikrofaser-Tuch

 

 

  • Kühlschrank 😀 Räumt einfach ein Fach aus und legt das Abtrocken-Tuch rein. Das werdet ihr später brauchen.
  • Spüle (Alternativ könnte man auch einen Behälter mit kaltem Wasser verwenden. Das halte ich aber nicht für die beste Methode. Wasser aus der Leitung bleibt kalt, Wasser im Behälter wird wärmer und wärmer…)

 

 

Sucht euch Behälter aus, die groß genug für eure Figuren sind. Sie sollten allgemein genug Platz darin haben und nirgends anecken. Wenn ihr die Figur schon reinpressen müsst, wird sie später bei Einwirkung des heißen Wassers in Richtungen verformt, die ihr nicht unbedingt haben wollt. Teile der Figur, die nicht weich werden sollen, müssen draußen bleiben (siehe zB Masane’s Haare im Foto oben).

 

 

Wenn ihr bis jetzt noch nicht wusstet, wie dieses zur-Seite-lehnen aussieht (ihr verdammt Glücklichen)… so sieht das aus, wenn eine Figur zur Seite lehnt…

Hier haben wir einmal Kotobukiya’s Amaha Masane aus Witchblade:
Wie ihr an meinen mad-photoshop-skillz sehen könnt, lehnt sie ein bisschen zu viel nach hinten. Das Gewicht ihrer Haare zieht sie in diese Richtung und die Base (obwohl sie echt cool ist) ist auch eher kontraproduktiv. Durch die lineare Form ist sie der Figur so gut wie keine Stütze und hat selbst das Wackeln angefangen, als sich die Figur nach hinten gebogen hat.

Dann haben wir Megahouse’s Lancer aus Fate/Zero:
Ich bin der festen Überzeugung, dass die komplette Abteilung der Qualitätsprüfung von Megahouse an dem Tag sturzbetrunken war, als sie das Okay dazu gaben, ihn so auf den Markt zu bringen. Er hat da einige Problemchen, aber heute konzentrieren wir uns nur auf eins davon: Er lehnt nach vorne, und das schon frisch aus der Box.

Die dritte Figur der heutigen Pool Party ist Organic’s Jimmy aus Gangking Jimmy:
Er ist meine absolute Lieblingsfigur und ich VERFLUCHE den Tag an dem Organic sich dazu entschlossen hat ihn herzustellen, anstelle von einem erfolgreicheren Figurenhersteller. Ich liebe ihn abgöttisch, aber das PVC aus dem er gemacht ist, ist das schlechteste, dass ich je gesehen habe. Um ihn auch nur irgendwie eventuell vom deformieren abzuhalten, müsste man ihn wahrscheinlich in einem verdammten Kühlschrank ausstellen. Ich muss dieses Tutorial alle paar Monate an ihm anwenden *seufz*

 

 

Der erste Schritt: Weg mit der Base.
Spielt ein bisschen herum, kippt die Figuren in Winkeln, die euch gerade erscheinen und bekommt einfach ein Gefühl dafür, wie ’schlimm‘ die Figur schon kippt und wie weit man sie biegen müsste, damit sie wieder gerade steht. Findet heraus, welche Stellen der Figur für das Kippen verantwortlich sind und welche Teile man am Besten zur Behebung gerade biegen sollte.
In diesen 3 Fällen ist das relativ einfach: Es sind die Beine (und Lancer’s Füße)

 

 

Nächster Schritt: Weg mit allem Anderen.
Nehmt alles ab, was irgendwie im Weg umgehen oder was von der Figur beim hin und her bewegen abfallen könnte. Kleine Teile, Teile die schnell kaputt gehen könnten, im Allgemeinen alles was sich abnehmen lässt und dessen Form nicht verändert werden soll. Nehmt diese Teile und legt sie beiseite, wo sie sicher sind.

 


Jetzt kommt die Figur in den Behälter. Alles was dort nichts zu suchen hat, kommt raus.
Jimmy’s Kette und Geldbeutel will ich nicht im heißen Wasser haben. Die Teile sind dünn und ich hab keine Lust sie abzureißen, wenn sie weich werden. Versucht diese Teile aus dem Wasser zu halten und befestigt sie so, dass sie auch nicht wieder reinfallen können.
Lancer’s rechten Arm kann man nicht abnehmen und die Lanze ist bei meiner Figur auch nicht mehr abnehmbar. Wie ich bereits erwähnte, mega Saufgelage bei der Qualitätskontrolle, Lanzen sind beide gebrochen, musste die klebenWIEAUCHIMMER, haltet sowas einfach aus dem Wasser.

 

 

Bringt das Wasser zum kochen!
Die Menge an Wasser die ihr benötigt, hängt davon ab, welche Teile gebogen werden müssen.
Ich will die Beine biegen, also bedeckt das Wasser auch nur die Beine. Jimmy’s/Lancer’s Schritt ist somit gerettet 😀 (Die horizontale Linie zeigt ungefähr an, wie viel Wasser ich benutze)

Über die Temperatur des Wassers kann ich euch nicht viel erzählen. Ich lasse den Wasserkocher einfach seine Arbeit machen. Wenn er fertig ist, warte ich ein paar Sekunden und dann fülle ich auch schon den Behälter. Bisher hat das immer sehr gut geklappt. Wenn ihr euch damit nicht unbedingt wohl fühlt, ist es auch absolut in Ordnung, das Wasser erst einmal ein bisschen herunterkühlen zu lassen. Es gibt nicht wirklich eine bestimmte Temperatur, bei der eine Figur anfangen wird, weich zu werden, was mich auch schon zu meinem nächsten Punkt bringt.

Überprüft IMMER, IMMER, IMMER diesen Prozess! Je heißer das Wasser, desdo schneller wird die Figur weich. Scheut euch da nicht, die Figur schon nach ein paar Sekunden wieder aus dem Wasser zu nehmen und zu überprüfen, wie weich sie schon geworden ist. Man kann wirklich nicht pauschal sagen, wie lange eine Figur im heißen Wasserbad bleiben muss, außer man hat das bei exakt der Figur schon einmal gemacht. Nicht einmal Figuren vom gleichen Hersteller folgen hier einem Muster. Dünne Teile werden normalerweise schneller weich, als dicke, aber das war’s dann eigentlich auch schon.

Wie ich bereits erwähnt habe, reagiert Jimmy’s PVC super-allergisch auf Hitze. 10-30 Sekunden sind wirklich genug, damit er weich genug wird, um ihn wieder gerade zu biegen.

Lancer hat ca. 1-2 Minuten gebraucht (und noch einmal: Rin kam auch als Qualitätskontrollen-Fail zu mir und obwohl er auch von Megahouse ist, konnte ich den Kerl in fast sprudelnd kochendes Wasser schmeissen und selbst dann hat das noch 15 Minuten gedauert, bis ich irgendwas damit anfangen konnte <- nicht.übertrieben.)

Masane wurde überhaupt nicht weich! Ich habe absolut keine Ahnung, was Kotobukiya da für ein PVC verwendet hat, aber ich hatte sie 10-15 Minuten in heißem Wasser frisch aus dem Wasserkocher und es passierte einfach NICHTS. Das Einzige, was irgendwie ein bisschen weicher wurde, waren diese 1 Millimeter dünnen Klingen an ihren Schuhen…
Jetzt kippte sie ja, Gott sei Dank, nicht allzu schlimm nach hinten, also habe ich mich für eine andere Methode entschieden, um sie wieder hinzubekommen.
Ich habe sie wieder zurück in die Box gesteckt. Die Blister, in der Figuren geliefert werden, haben ja immer die Form der Figur selbst, um sie sicher transportieren zu können. Wenn die Figur also nicht allzu schlimm verformt ist, kann man sie einfach zurück in die Box stecken. Somit wird die Figur wieder in die ursprüngliche Form geschoben. Das kann aber einige Zeit dauern (kommt wohl wieder auf die Art des PVCs und den Grad der Verformung an).

 

 

Und jetzt kommen wir zur Biegetechnik >:D (die zumindest ich benutze)

Für die Figuren die ich hier reparieren will, möchte ich einfach die kompletten Beine nach hinten biegen (weil sie beide nach vorne lehnen, ihr erinnert euch?). Denkt immer daran, dass die Stifte auf der Base immer richtig zu den Löchern in den Füßen ausgerichtet sein müssen! Wir verändern jetzt die Position der Beine, doch der Abstand zwischen ihnen muss der Selbe bleiben. Um das sicherzustellen, platziere ich alle Finger meiner rechten Hand (ohne den Daumen) komplett auf den Beinen, um dort gleichmäßigen Druck auszuüben. Das hat bei mir bisher immer auf Anhieb geklappt, aber macht euch keine Sorgen, falls etwas schief gehen sollte. Man kann den Prozess immer wiederholen und alles wieder richtig stellen.

 

 

Mit der Platzierung meiner rechten Hand drücke ich die Beine nach hinten in ihre ursprüngliche Position. Mit dem Daumen der linken Hand am Rücken der Figur, drücke ich gegen diese Richtung. Der Rest der linken Hand ruht auf der Brust der Figur.
Die Pfeile signalisieren die Richtung, in die ich Druck ausübe.
Während die rechte Hand die Beine biegt, umschließt die linke Hand fest die Figur (fest, aber ohne die Teile der Figur zu beschädigen. Drückt nur auf die soliden Teile, wie zB den Oberkörper). So wird sichergestellt, dass mir die Figur nicht entgleitet und ich den Druck gut und leicht variieren kann. Das ist eine der Hand-Positionen mit denen ich mich am sichersten fühle.
Geht nicht zu brutal mit der Figur um. Ihr müsst sie nicht beim ersten Mal gleich komplett wieder gerade biegen. Bringt sie einfach Stück für Stück wieder in ihre ursprüngliche Form.

 

 

Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, habe ich hier die Position meiner linken Hand verändert: Jetzt ruht der Daumen auf der Brust, während der Rest der Finger am Rücken entgegen der rechten Hand drückt. Wenn die Figur erst einmal weich genug ist, lässt sie sich ohne einwirken von kaltem Wasser erst einmal eine Zeit verbiegen, also lasst euch einfach ein wenig Zeit und probiert aus, mit welcher Position ihr euch am sichersten fühlt und was am Besten für euch funktioniert.
Habt ihr euch für eine Variante entschieden, könnt ihr den Wasserhahn kalt aufdrehen. Haltet die Figur nun unter das kalte Wasser. Dabei sollte das Wasser gleichmäßig auf die erhitzten Teile laufen. Bleibt in dieser Position ohne den Druck eurer Hände auf die Figur zu lockern, bis sich die erhitzten Teile wieder kalt anfühlen. Dreht die Figur hin und her, um sie von beiden Seiten abzukühlen.

 

 

Das gleiche Prozedere wende ich dann auch bei Lancer an. Auf diesem Foto könnt ihr gut sehen, dass ich mit keiner meiner Hände die Lanze berühre. Berührt nur die soliden Teile.

 

 

Nachdem ich Lancer nach hinten gebogen habe, habe ich erst einmal ausprobiert, wie er jetzt steht. Dabei habe ich festgestellt, dass seine Füße nicht mehr flach auf dem Boden stehen. Da das keinesfalls beabsichtigt war (ihr erinnert euch: die Stifte der Base und die Löcher der Füße müssen aufeinander abgestimmt sein), habe ich den Prozess einfach noch einmal wiederholt. Also noch einmal in den Behälter mit dem heißen Wasser, bis er wieder weich wird. Danach habe ich ihn einfach in die Spüle gestellt und dieses mal von oben Druck ausgeübt. Noch einmal mit kaltem Wasser abduschen und ta-da! Die Füße sind wieder in Ordnung.

 

 

Wie ich bereits gesagt habe: Man muss die Figur nicht beim ersten Mal gleich komplett wieder gerade biegen. Wiederholt die heißen und kalten Wasserbäder einfach so lange, bis euch die Figur wieder gerade genug erscheint. Normalerweise brauche ich dafür 2 oder 3 Wiederholungen. Den Fortschritt könnt ihr auf dem oberen Foto erkennen.

Links: Der erste Durchgang hat die Position schon wesentlich verbessert. Vorher ist Jimmy ohne seine Base einfach vornüber gekippt. Jetzt steht er wieder von allein!

Mitte: Okay, das ist schon fast komplett gerade. Ein bisschen könnte man das aber schon noch biegen.

Rechts: Damit war ich absolut zufrieden. Der letzte Schritt: Immer überprüfen, ob die Figur so auf die Base passt und ob sie noch genauso gerade steht, wie ohne die Base.

 

 

Lancer’s Fortschritt:

Links: Yepp, das ist ziemlich okay. Vielleicht lehnt er ein bisschen zu weit nach hinten.

Mitte: Auf der Base habe ich dann gesehen, dass seine Füße den Boden nicht richtig berühren. Zurück zu den heißen/kalten Wasserbädern.

Rechts: Yepp, die Füße haben ihn zu weit nach hinten lehnen lassen. Jetzt ist alles wieder an seinem Platz und das Ganze sieht super aus!

 

 

Ich habe ja gesagt, dass ihr einen Kühlschrank braucht.
Ob ihr diesen letzten Schritt auch noch durchführen wollt, ist jedoch euch überlassen.
Obwohl sich die Figur wieder kalt und stabil anfühlt, kann man nicht wissen, ob das PVC innerhalb der Figur genauso abgekühlt ist. Um dort Sicherheit zu schaffen und damit sich die Figur auf keinen Fall mehr irgendwie zurückbiegt, lege ich sie für ungefähr 10 Minuten in den Kühlschrank. Das sollte ausreichen, um auch noch die Restwärme in der Figur heraus zu bekommen.

 

 

Jetzt nehmt euer Mikrofaser-Tuch und trocknet eure Figur gut ab, bevor ihr sie wieder an ihren Platz stellt. Seid besonders genau bei den Löchern in den Füßen und kleinen Unebenheiten im Design der Figur.

Fertig!

Sehen doch gut aus, oder?

Es gibt noch eine weitere Methode, die ich jedoch nie ausprobiert habe, weil ich vor der viel zu viel Angst habe und weil die Wasserbäder-Methode bisher einfach viel zu gut bei mir funktioniert hat. Bei dieser Methode benutzt man nicht Wasser um die Figur zu erhitzen und wieder abzukühlen, sondern einen Föhn. Hat das einer von euch schon einmal ausprobiert? Würde mich wirklich interessieren, wie gut das funktioniert!

Ich hoffe, dass euch dieses Tutorial eine Hilfe sein wird! Nehmt euch einfach viel Zeit, experimentiert ein bisschen herum und geht die Sache locker an. Jede Figur ist anders! Wenn ihr das im Hinterkopf behaltet, kann eigentlich gar nicht so viel schief gehen.

Wie immer interessiert mich natürlich auch eure Meinung! Postet sie einfach im Kommentarteil! Habt ihr noch weitere Fragen? Hat das Tutorial so bei euch geklappt? Wollt ihr vielleicht noch andere Tutorials lesen und welche Themen würden euch interessieren?

 

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