Alle die sich in der Anime- und Manga-Szene bewegen kennen sie. Diejenigen, die mit ihrem Hobby auf die „nächste“ Stufe wollen. Ihnen reicht es nicht, immer nur die Schulmädchen und „Kawaii-Boys“ in ihren Anime-Serien zu sehen, sondern sie wollen sich einen eigenen Einblick in das Leben der Japaner verschaffen. Ganz so einfach scheint dies ja nicht zu sein, wenn man sich am PC tausende Kilometer weg vom Land der „scheinbar“ ersehnten Wünsche befindet. Genau das ist das Thema des heutigen Beitrages.

In Kontakt treten mit der japanischen Popkultur

So kann man den Wunsch formulieren, den sicher viele von euch haben und denen besonders die finanziellen Mittel fehlen, diesen Traum wahr werden zu lassen. Doch ist es wirklich so schwer Kontakt zu Menschen über den halben Globus zu knüpfen und das im Zeitalter des Internet 2.0? Nein! In diesem Bericht stelle ich euch heute nämlich zwei Möglichkeiten vor, wie ihr am besten den Kontakt zu echten Japanern herstellt und was euch dann erwartet.

Die erste Möglichkeit ist für diejenigen die sich gern auch Zeit nehmen, Kontakte zu schließen und denen der Begriff der guten alten „Brieffreundschaft“ nicht fremd ist. Bevor ihr jetzt denkt, dass ich euch ernsthaft empfehlen möchte, Briefe nach Japan zu senden: Keine Bange, es geht hierbei lediglich um die gleiche Intention, Nachrichten zwischen Brieffreunden auszutauschen; nur über das Internet. Diesen Ansatz verfolgt die Internetseite www.interpals.net, hier habt ihr die Möglichkeit mit echten Menschen verschiedener Nationalitäten in Kontakt zu treten, Interessen auszutauschen oder wahre Freundschaften zu schließen. In meiner Anfangszeit als mich der „Animemismus“ so richtig gepackt hat, habe ich wie verrückt nach genau dem gesucht: Meine Motivation ganz klar, „ich muss hier und jetzt so viel über Japan lernen wie mir möglich ist!“. Um es kurz zu fassen: Ich habe mich aufgeführt wie ein richtiger „Weeabo“. Mit den negativen Eigenschaften des eigenen Landes und dem Fernweh im Herzen bin ich dann auf die Suche gegangen, bis ich schließlich diese Seite gefunden habe.

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Die Einfachheit sich über seinen Facebook-Account einzuloggen und die Möglichkeiten seine Sprachen die man lernen will – beziehungsweise selber spricht – anzugeben, um so Vorschläge zu erhalten, die genau auf das abgestimmt sind, was man eingegeben hat, hatte mich sofort überzeugt. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Suche nach solchen Interaktionen ist die Aktivität der Community. Bei InterPals findet man eigentlich immer aktive Mitglieder, jedoch muss das eigene Profil schon entsprechend gepflegt sein. Denn wie im wahren Leben gilt: „Sympathie überträgt sich von Person zu Person anders“. Wenn ihr nun alles eingerichtet und euch mit der Seite vertraut gemacht habt, könnt ihr eigentlich sofort die ersten japanischen Muttersprachler ansprechen. Vorzugweise die, die Deutsch lernen wollen, so habt ihr sofort eine gemeinsame Basis und der Einstieg fällt euch leichter. Viele der ersten Gespräche werden wahrscheinlich erst oberflächlich ausfallen, aber mit der Zeit findet man auch Personen mit denen man eventuell mehr als einmal in Kontakt treten wird.

Nachdem ich jetzt Möglichkeit #1 vorgestellt und diese als vergleichsweise zeitintensiv beschrieben habe, habe ich natürlich auch Etwas für diejenigen, die einfach zwischendurch spontan mit Japanern einen Smalltalk halten wollen oder ernsthaft daran interessiert sind japanisch zu lernen und das am besten direkt mit einem Muttersprachler und umsonst! Die Rede ist von der Smartphone-App „HelloTalk„. Mit „HelloTalk“ könnt ihr neben dem eigentlichen Chatten, ähnlich wie ihr es von WhatsApp und anderen Mailprogrammen kennt, auch die Sprache mit Hilfe von Muttersprachlern lernen. Darüber hinaus wendet ihr sie sofort an und das hilft beim Verinnerlichen von kurzen Phrasen bis hin zu ganzen Sätzen.

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Das Besondere daran ist, dass „HelloTalk“ ähnlich wie InterPals die Möglichkeit bietet, dass man die Sprache einstellt die man lernen möchte und auch gezielt nach passenden Chat-Partnern suchen kann. Die Chatnachrichten können direkt übersetzt werden, also ihr schreibt: „Hallo wie geht es dir?“ übersetzt dies und automatisch kommt dann der Satz im Japanischen heraus. Genauso geht es zum Teil auch anders herum: Ihr könnt vieles nicht verstehen? Dann lasst es euch übersetzen. Damit werden auch für absolute Beginner Sprachbarrieren gebrochen. Natürlich ist eine automatische Übersetzung nicht immer das Gelbe vom Ei, aber es dient tatsächlich dazu, dass man Nachrichten versteht und das ist das Wichtigste. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass man über die App zwar oft nicht die tiefgründigsten Informationen und Themen bespricht, aber man kann durchaus Fragen zur Kultur/zum Leben in Japan stellen. Wer richtig Interesse am ständigen Austausch zum Lernen der Sprache hat, wird hier mit Sicherheit auch fündig. Neben der schon angesprochenen Funktion der Übersetzung kann man auch als Lektor fungieren und die Sätze der Japaner die sie auf Deutsch geschrieben haben korrigieren, um ihnen beim Lernen zu helfen. Genauso können sie auch deine Nachrichten verbessern. So kann das praktisch eingesetzt direkt verbessert werden und man lernt nie schneller als wenn man Dinge selber tun muss.

Nachdem ich euch nun zwei sehr einfache Möglichkeiten für das in Kontakt treten mit der japanischen Popkultur gegeben habe, muss ich an dieser Stelle etwas klarstellen. Viele wollen aus der Motivation heraus, dass sie näher am Anime- oder Manga-Leben sein können, diese Sprache und auch die Kultur kennenlernen. Wer sich rein aus diesem Interesse auf solchen Portalen herumtreibt wird schnell merken, dass Japaner eben nicht alle Anime- und Manga-Fans sind. Oft liegen die Interessen sogar ganz woanders, sie können sogar negativ gegenüber Animes und Mangas eingestellt sein. Viele Japaner wollen weg aus Japan, die dichte Bevölkerung und die fehlende Perspektive macht viele depressiv, die heile Welt der Anime ist nicht überall angekommen, selbst Godzilla bedroht Tokyo nicht mehr so oft wie er es früher getan hat. Ich möchte einfach Allen die diesen Bericht nun aufmerksam gelesen haben die Illusion nehmen, dass man Japanisch lernen will, nur um seine Animes künftig ohne Subs zu genießen. Verabschiedet euch von dem Traum, der Durchschnitts-Otaku hat ohnehin oft seine Schwierigkeiten mit dieser Sprache. Aber ich kann euch nur ans Herz legen: Wenn ihr wie ich auch an der Kultur oder an der Historie Japans interessiert seid, schaut gern auf den Seiten vorbei, nutzt die App und zeigt euren Freunden wie Japan wirklich ist. Wenn euch diese Art von Blog gefallen hat und ihr gern mehr aus der Sicht eines „nüchternen Otakus“ erfahren wollt, schreibt einen Kommentar und teilt den Beitrag. Ich freue mich auf jede Diskussion!

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3 Kommentare

  1. Hey Chris, ein sehr interessanter und angenehm zu lesender Artikel. Beim Godzilla-Vergleich musste ich echt schmunzeln. 😀 Und HelloTalk kannte ich bisher auch noch nicht, muss ich demnächst mal ausprobieren!

  2. Sehr informativ, ich bin gespannt auf deine nächsten Artikel. Ich habe mich heute bei der Seite Interpals angemeldet & bisher zwar nur eine eher unerwartete Kontaktanfrage bekommen, aber ich erhoffe mir, durch die Seite Kontakt mit jemandem aufbauen zu können, der mir beim Japanisch-Lernen helfen kann.

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