Und mit diesem Titel greife ich nochmal die Thematik auf, die ich im letzten Artikel nur so nebensächlich angeschnitten habe. Es geht um verschiedene Gruppierungen innerhalb der Otakuszene. Ich habe vor, in den nächsten Wochen die mir bekanntesten „Gruppen“ einzeln zu beleuchten und meine Meinung dazu zu sagen. Los geht es mit den „Vorzeige-Otakus“ schlechthin. Wohl jeder kennt sie und die meisten würden nie zugeben selbst einer von Ihnen zu sein.

 

– Die Japan vergötternden –

In jeder größeren Gruppe sind sie zu finden. Die Art von Otakus, die Japan und alles was auch nur im Entferntesten damit zu tun hat, vergöttert. Dieser Kult kann absurde Ausmaße annehmen. Nicht selten liest man Posts wie: „Wir nehmen einfach Deutschland und … schieben es nach Japan“. Zugegeben, manche davon sind sicherlich nicht ernst gemeint, doch zeigen ganz gut was ich meine.

Es ist auch nicht so, dass ich was gegen diese Gruppe habe. Nein, ich kann sie auch verstehen. Oft bekommen wir nämlich die heile oder auch spannende Welt in Animes präsentiert, die mit der Realität aber nichts oder nur selten zu tun hat. Da kann es vor allem jungen Animeanhängern passieren, dass sie sich geblendet von all dem Schein ein falsches Bild des Lebens in Japan machen. Zu diesem Aspekt kommt sicherlich noch hinzu, dass das Interesse an der Politik – sowohl der deutschen, sowie der japanischen – nicht gerade groß zu sein scheint. Über unterschiedliche Gesetzeslagen oder Möglichkeiten dort als Ausländer Jobs zu finden wird sich nicht informiert oder es wird bewusst verschwiegen.

Ich war selbst mal geblendet von dem Eifer der Freundlichkeit, welche nicht nur in den Animes dargestellt wird und habe nach Möglichkeiten gesucht den Kontakt zu knüpfen. Auch arbeitstechnisch habe ich Möglichkeiten in Betracht gezogen, wie zum Beispiel ein Auslandspraktikum. Je nach Berufsstand kann dies auch erstrebenswert sein. Ein Informatiker kann da durchaus gute Chancen haben im Vergleich zu einer Friseurin, aber dennoch ist der Schritt nicht eben ein Schritt den man aus einer Laune heraus plant.

Japan ist ohne Zweifel auch für mich ein interessantes Land welches ich auch zu gern bereisen würde, aber von einem Leben dort habe ich Abstand genommen. Ich habe auch davon Abstand genommen alles in Deutschland schlecht zu reden und zu denken nur in Japan ist es gut. Dabei haben wir es hier doch wahrlich nicht schlecht. Ein Sozialsystem, staatliche Beihilfen etc. Selbst hier findet man Einheimische die Bitte und Danke sagen können und unsere deutschen Eigenheiten sind auch nicht zu verachten. Dennoch ist das Vergöttern Japans nicht das Einzige was diese Gruppe so speziell macht.

 

– Ewig nörgelnd –

Kaum ist man in Facebook drin und in seinen Stammgruppen durch die Beiträge am Scrollen, da sieht man sie auch schon: Die Beiträge aller „Es heißt Anime nicht Cartoon“ oder „Es heißt Manga und nicht Comic“ oder mein Liebling „Es heißt Anime nicht Animes, genauso wie Manga nicht Mangas“, ja das sind alles immer wieder aufkehrende und niemals abebbende Beiträge sich anfeindender Otakus.

Was jetzt wie richtig ist spielt dabei meistens nicht mal eine Rolle, es geht vielen nur um das Prinzip. Argumentationen wie, „es ist nur ein Anime wenn der Zeichenstil stimmt“ sind dabei nicht gerade stichhaltig. Man könnte den Eindruck bekommen, dass diese absichtlich gestreut werden um gerade solche Diskussionen zu entfachen. Neulich habe ich vermehrt die Posts gelesen, dass Biene Maya oder Wiki Anime sind und sich viele so dermaßen darüber aufgeregt haben, dass es schon fast zu verbalen Ausfällen gekommen wäre.

Es heißt ja so oft „leben und leben lassen“, aber hier wird meistens keine andere Meinung neben der eigenen akzeptiert. Selbst die Tatsachen, dass der Duden seit längerem angibt Animes und Mangas seien völlig legitime Schreibweisen oder anders gesagt, die richtige Schreibweise im Deutschen, ist für viele kein Argument. Bevor es falsch verstanden wird: Ich bin niemand der auf diesen Belanglosigkeiten rumreitet. Ich lasse gern jedem seine Meinung. Für mich persönlich gilt der Spruch: Alle Animes sind Cartoons, aber nicht alle Cartoons sind Animes. Meine Begründung für diesen Gedanken ist einfach, dass ich alle aus Japan stammenden (also die dort produzierten) Cartoons, Anime nenne. Allerdings nenne ich Cartoons die aus Amerika oder allen anderen Staaten kommen lediglich Cartoons. Damit halte ich dies sehr einfach für mich und lehne mich lediglich an die Definition aus Wikipedia.

Ähnlich handhabe ich das auch mit Mangas. Alles aus Japan ist für mich ein Manga, aber dennoch ein Comic. Alles aus anderen Ländern ist für mich ein Comic nur eben kein Manga. Ich weiß, es klingt kompliziert, ist es aber nicht. Aber dieses Genörgel wiederum ist auch nur ein Teil dessen, was diese „Vorzeige-Otakus“ alles so in den Gruppen schreiben.

 

– Die Sub Vs. Dub Debatte –

Kommen wir zum Otaku-Prügel-Argument schlechthin. Die „Sub Vs. Dub Debatte“. Immer wieder hart umkämpft, muss sich der ein oder andere sogar Beleidigungen anhören, nur deshalb, dass er deutschen Dub genießt. Ich persönlich sehe oder besser gesagt höre sehr gern den originalen Ton, aber mir würde es nicht in den Sinn kommen andere zu beleidigen nur weil sie es nicht tun.

Was viele vergessen: Nicht jeder Animefan muss zwangsläufig auch Fan von Japan sein. Für viele steht einfach die Geschichte, die Story, im Vordergrund. Natürlich gibt es einige negativ Beispiele für den deutschen Dub, aber was wir nicht vergessen dürfen ist, dass es in Deutschland den Luxus von Synchronsprechern gibt, den viele Länder nicht einmal haben. Wer in manch osteuropäischem Land den Fernseher einschaltet, dem begegnet recht schnell ein und dieselbe monotone Stimme, die für übertrieben gesagt 99% der Sendungen den Sprecher macht.

Wir bieten erstklassige Synchronisationen an und stehen damit weit über dem Standard, welches andere Länder pflegen. Stellt euch dazu eine einfache Frage. Wer von euch hat sich genauso massiv über die Synchronisation von Scrubs oder The Walking Dead beschwert? Keiner? Wenige? Das liegt daran, dass wir das gewöhnt sind und dort auch meiner Meinung nach sehr hohes Niveau abgeliefert wird. Oft wird sich dann beschwert, der und der Anime hat eine scheiß Synchro, wobei ich dreist unterstelle, dass viele sich nicht mehr als eine Folge in Deutsch angesehen haben und so geprägt von dem „ich muss in Japanisch sehen“ sind, dass die Synchro kaum eine Chance haben kann.

In dem Zusammenhang fallen dann oft die Sätze: „Echte Otakus schauen natürlich nur Japanisch mit Sub!“ Dabei denk ich mir „Wie bitte?“. Warum muss man sich in einer Randgruppe eigentlich noch eine Randgruppe schaffen? Warum muss man sich, wenn man schon differenziert ist, sich weiter differenzieren? Es sollte doch jedem egal sein und, vor allem darauf bezogen ob man Fan von etwas ist oder nicht, in welcher Sprache man es sich anguckt. Ich schaue sehr oft auf Japanisch mit englischem Sub. Aber ich sage nicht zu Anderen „Man, du bist kein Otaku, weil du mit deutschen Sub guckst.“ Diese Debatte wird nie enden, auch mein Blog wird daran nichts ändern.

 

Kommt es trotz vehementer Zurückhaltung doch dazu, dass man sich in der Lage sieht sich für seine Einstellung zu verteidigen, kann man manchmal die ein oder andere Spitze nicht vermeiden. Dabei heißt es wohl kühl bleiben. Es gibt wahrscheinlich in beiden Lagern viele Anhänger. Ob bei den „Japaniisten“ oder den nüchternen Otakus, die einfach mit schwimmen. Hinzu kommen so viele andere Gruppen auf die ich gern in weiteren Blogs eingehen möchte. Dabei sind viele Eigenschaften wiederkehrend und der Übergang fließend. Wenn ihr noch Gruppierungen kennt, lasst es mich wissen und wir können gerne diskutieren, ich bin sehr gespannt! Wenn ihr Bock habt, bis zum nächsten Mal!

LG AniManisch

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1 Kommentar

  1. MadScientist on

    „Früher“ (solange her nun auch wieder nicht) war ich auch einer dieser Japan vergötternden Jungs, der sich nichts besseres im Leben vorstellen konnte als die ganze Zeit nach Akihabara zu rennen und shoppen zu gehen, sich dann in seine kleine Tatami Matten große Wohnung zu verbarikadieren und Animes zu schauen. Doch auch wenn Animes/Mangas zu diesem positiven Bild von Japan geführt haben, so zeigen andere einem auch die Realität (Clannad- After Story oder Yomigaeru Sora: Rescue Wings). Durch diese Serien habe ich mich auch von diesem „Ideal“ abgewendet. Die ewig nörgelnden finde auch nervig, aber ich will nicht abstreiten, dass es schon manchmal verlockend ist.

    Bei Sub vs. Dub ist einfach das Problem, dass beide Parteien recht haben, denn sie biegen ihre Aussagen immer so, dass sie passen.
    Dub Fans sagen (wie im Artikel erwähnt): Kennst du nicht die guten Dubs von Scrubs oder den Studio Ghibli Filmen? Jeder Anime/Serien Fan wird hier zugeben, dass diese Dubs ganz ordentlich sind und sie sogar manchmal aus nostalgischen Gründen der orginal Vertonung vorgezogen werden.
    Die Sub Fans sagen dann: Wie kannst du dir nur Dubs anhören bei so schlechten wie … (muss man jetzt nicht aufzählen.) Natürlich gibt es auch schlechte deutsche Dubs.
    Das Problem ist eben, wie schon gesagt das beide recht haben und es so immer ein Krieg zwischen ihnen entstehen wird.
    Persönlich bevorzuge ich auch meist orginalton (auch bei US Serien), da ich glaube oder eher hoffe, dass sich der Macher der Serie etwas dabei gedacht hat, gerade diesen Sprecher/Schauspieler auszuwählen, weil er eben genau die passende Stimme hat.
    Auch wenn es sicherlich Ausnahmen gibt, so halte ich an der Behauptung fest, dass der orginal Ton im durchschnitt immer noch der Beste ist.
    Trotzdem würde ich sicherlich nicht verlangen diesen Deutschen Dub nicht mehr auf die DVD/BD zu pressen, nur weil er vielleicht nicht super ist, denn wenn man mal Freunden/Familienmitgliedern eine Serie zeigen will, dann sicherlich nicht auf japanisch. 😀

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