Mord auf der Manga-Convention
Geht man als Besucher auf eine Manga- und Anime-Convention wirkt alles kunterbunt, fröhlich und ausgelassen. Viele Leute in aufwendigen Kostümen, viele Fans auf der Suche nach Schnäppchen-Angeboten, viele interessante Events rund um alle Themen, die die Szene bewegen und die oft gut gelaunt wirkenden, gesprächsbereiten Personen an den Ständen, welche versuchen ihre Waren oder auch Eigenkreationen an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Story & Charaktere:
Genau so scheint es auch zunächst bei der Kirameki-Convention im Kriminalroman „Killer Con“ von Steffi Holzer und Lars Erbstößer der Fall zu sein. Jedoch ist auch in der sehr offenen Manga- und Anime-Szene nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. So werfen wir in dem Roman einen Blick auf das Organisationsteam der Convention, welche mit allerlei Problemen unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung zu kämpfen haben. Das Konto der Con wurde offenbar von einem der Orga-Mitglieder geplündert, welcher sich anschließend aus dem Staub gemacht hat, bei der Buchung von Teilen der Säle ist einiges schiefgegangen, und als am Freitag schließlich doch irgendwie die Pforten geöffnet werden konnten, erhärtet sich im Laufe des Tages der Verdacht, dass Gäste der KiraCon durch Genuss einer gewissen Speise eine Lebensmittelvergiftung abbekommen haben. Aber als wäre das nicht genug, wird am frühen Samstagmorgen, kurz vor Beginn des Hauptbesuchertages der Convention, auf einer der Toiletten eine übel zugerichtete Leiche gefunden. Aufgrund der eh schon schwierigen Situation, entscheidet sich das Organisationsteam mehrheitlich den Fund der Leiche bis zum Ende der KiraCon zu verheimlichen und auf eigene Faust den vermutlich irgendwo unter den Besuchern versteckten Täter ausfindig zu machen.

Man merkt dem Inhalt desKiller Con Cover Buches die jahrelange Erfahrung an, welche die beiden Autoren als regelmäßige Besucher und auch Organisatoren von Conventions besitzen. Da die Mitglieder des Organisationsteams als Protagonisten des Romans fungieren, kann man auch einen wunderbaren Blick auf die sonst nicht sichtbaren dunklen Seiten der Szene werfen. Wie in vielen anderen Subkulturen auch, gibt es Kleinkrieg zwischen Anhängern verschiedener Franchise, gibt es Händler mit gefälschten Waren im Angebot und viele weitere Aspekte, weshalb der Roman durchaus einen selbstkritischen Rundumschlag durch die gesamte Community macht. Gleichzeitig ist das Buch aber auch eine Hommage an viele Manga- und Anime-Serien, allein schon durch den Titel Killer Con, welches auf die japanische Aussprache des Wortes „kira“ und damit auf die sehr beliebte Kriminalthriller-Serie „Death Note“ anspielt. Derartige Anspielungen finden sich wie Sand im Meer innerhalb des Romanes, manche davon subtil, andere aber wiederum deutlicher ausgeführt, wodurch die Lektüre sowohl für Mitglieder der Szene lesenswert sein dürfte, als aber auch für Leute, welche mit diesem Buch zum ersten Mal einen Blick in die Welt von Manga, Anime und die mit diesen Themen verbundenen Conventions werfen wollen.

Kritik:
Die Handlung erstreckt sich dabei über vier große Überkapitel: die Wochentage Donnerstag bis Sonntag, vom Aufbautag bis zum Ende der Convention. Der Roman wird über diese Kapitel hinweg trotz manch längerer Abschnitte hier und da nie langweilig, was sicherlich auch dem sehr lockeren Schreibstil der beiden Autoren zu verdanken ist, welcher für einen sehr angenehmen Lesefluss sorgt. Lediglich an manchen etwas zu bewusst witzig wirken wollenden Stellen wirft einen das Buch ein bisschen aus dem aktuellen Geschehen heraus und kommt ein wenig surreal daher, jedoch versichern die Autoren im Nachwort, dass alle in dieses Buch eingeworfenen Ereignisse (abgesehen vom Mordfall natürlich) tatsächlich selbst so erfahren worden seien und ich bin geneigt, ihnen das zu glauben. Ferner ist es allerdings etwas schade, dass manche im Roman aufgemachten Subhandlungen (wie z.B. die erwähnte Problematik mit dem leergeräumten Bankkonto) zum Teil nicht vollständig zu Ende geführt wurden und einige Fragen offen blieben. Nach der Aufdeckung des Mörders endet das Buch doch erstaunlich rasch und ein etwas längerer Prolog mit den „Nachwirkungen“ dieser KiraCon hätte ich mir sehr gewünscht. Mein größter Kritikpunkt am Roman ist allerdings wohl ein noch am letzten Convention-Tag stattfindender Vorfall, welcher aus Bequemlichkeit eingeschoben wirkt, nur um einen weiteren Anhaltspunkt auf den Mörder zu haben und ihn schneller finden zu können. Die Story um diesen Vorfall herum wirkte doch ein bisschen zu konstruiert, während man sonst dazu neigt dem Roman alle anderen Zufallsereignisse oder ähnlich unwahrscheinliche Events problemlos abzunehmen.

 

Fazit:
All das ist dennoch Kritik auf sehr hohem Niveau und schmälert das Leseerlebnis von „Killer Con“ daher kaum. Am Ende ihres Vorlese-Panels auf der Leipziger Buchmesse im März 2016 versprach Steffi Holzer, dass das Buch besser geschrieben sei als sie und ihr Vorleser es an jenem Tage präsentieren konnten. Nun, nach dem Lesen des Buches, kann man sagen, dass dieses Versprechen definitiv eingehalten wurde. Denn:
Killer Con ist ein fesselnder Kriminalroman um einen Mordfall auf einer fiktiven Manga- und Anime-Convention, welcher mit seinem Insider-Blick in die Szene sowohl Veteranen dieser japanischen Subkulturformen als auch wenig damit Vertrauten viel Freude beim Lesen bereiten dürfte.

 

Das Buch kann man hier bei Amazon bestellen.

Vielen Dank an Anime House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

~ Florian Werner

Share.

About Author

Kommentar verfassen