Hallo Freunde!

Ich weiß ja nicht wie es bei euch ist, aber wenn es um das Thema Otaku bzw. rein um den Animefan geht, scheint es immer noch einige Menschen zu geben, die ihre Abneigung gegenüber dem Thema auch auf die Person übertragen. Besonders nervig ist es, wenn ich mit Mitte 20 manchmal mehr oder weniger gewollt auf dieses Thema im Gespräch stoße. Nicht selten sieht man schon am Blick wie verwundert der Gegenpart ist durch meine offene Haltung. Es kann durchaus auch hier und da Einbildung von mir sein, aber ich empfinde in den Gesichtsausdrücken manchmal sofort ein Fremdschämen. Daraufhin ergreift mich eine wahre „Aufklärungs-Wut“, getrieben von meinen persönlichen Interessen ballere ich sofort übermütig mit Rechtfertigungen los. Aber warum rechtfertigen? Es ist doch okay andere Hobbies zu haben als andere. Dem würde ich prinzipiell auch zustimmen, es ist wohl geschuldet der Erfahrung die durch die Jahre gewachsen sind.

 

– Wie wurde ich ein „Otaku“ –

Mein Werdegang zum nüchternen Otaku war wahrscheinlich nicht so konsequent wie die der meisten. Was viele nicht wissen: Ich bin nicht mal der Anime wegen ein so großer Fan der japanischen Kultur.

Bereits im Alter von 5 Jahren begann meine „Zockerkarriere“. Ob NES oder SNES, ich hatte schon früh eine Verbindung zu Nintendo, selbst der graue Urzeit-Gameboy war mein ständiger Begleiter. Meine älteren Geschwister sei Dank hatte ich auch früh meinen ersten eigenen Gameboy der bis heute noch „lebt“. Schon damals hatte ich zwar wie viele andere Jungs in meinem Alter auch Lust Polizist zu werden oder Feuerwehrmann, aber ich war auch so fasziniert von den Spielen, dass ich am liebsten selbst Teil dieser geworden wäre. So waren meine ersten Fragen Richtung Spieleentwicklung geboren.

Ob man mir glauben mag oder nicht, im Alter von 6 bzw. 7 Jahren war einer meiner Berufswünsche Spieleentwickler. Natürlich wusste ich nicht, dass es Spieleentwickler heißt aber ich wollte es werden!

Mit der Zeit begann auch mein steigendes Interesse an Serien die vornehmlich im frühen Nachmittagsprogramm eines gewissen Senders gelaufen sind der damals noch als „Anime-Hochburg“ gefeiert wurde. Es hat schon einige Zeit gedauert bis ich erkannt habe, dass es sich dabei auch um Produkte aus Japan handelte. Ich denke so richtig realisiert habe ich das im Alter von 10 bis 11 Jahren. Zu dieser Zeit liefen einige Animes die richtig gut waren und viele meiner Freunde haben sie auch gesehen. Beispielsweise Mila Superstar, Die Kickers, Dragon Ball und und und. Alles richtig gute Unterhaltung und in meinen Augen auch heute noch echt sehenswert. Vor allem die Kickers haben mir zum ersten Mal das Gefühl gegeben wie unterschiedlich das Schulleben sein könnte.

Mit dem Alter änderten sich meine Interessen. Zwar wurde meine Leidenschaft für die Technik insbesondere der Unterhaltungsindustrie stärker, sodass ich kurzeitig auch überlegt hatte Spieleredakteur zu werden statt Spieleentwickler und ich meine Zeit weniger in Anime als in solche Medien gesteckt habe. Es dauerte schon so einige Jahre bis ich den Weg zu den Anime zurück gefunden habe, komischerweise nicht auf Kosten des Wunsches einmal nach Japan zu fliegen. Dieser Wunsch blieb unverändert trotz der Abstinenz von diesem Teil der Popkultur.

Besonders stark hat mich immer ein Aspekt gereizt: Wie schafft ein Land es, dass die Kultur und der Drang zur Technik nebeneinander koexistieren können? Mich reizte dieses Thema so sehr, dass ich viel darüber nachgedacht habe. Japan vereint viele Spitzenkräfte in Wissenschaft und Forschung, hat aber zugleich viele Regionen mit Traditionen die sogar mehr gepflegt werden als die Traditionen aus dem Dorf in dem ich geboren bin. Nach vielen Jahren bin ich dann durch verschiedene Umstände zurück zu den Animes gekommen. Sie waren einfach eine super Ablenkung und haben mir persönlich gute Unterhaltung geliefert. Dabei hab ich auch zum ersten Mal Anime im Original-Ton gesehen, was bei mir keine Ablehnung fand sondern eher vehementen Zuspruch.

Trotz der Tatsache, dass ich nicht gerade sprachenaffin bin und mich auch im Schulleben nur schwer mit Sprachen wie Englisch oder Latein getan habe bekam ich Lust die Sprache zu lernen, die in meinen Ohren freundlich klingenden Wörter hatten es mir angetan. Ich begann also mehr und mehr verschiedene Animes zu sehen sodass es sogar wie eine Sucht war. Ich schaute gut und gern eine ganze Serie am Tag und das obwohl ich Vollzeit arbeitete und studierte. Kontakt zu anderen mit der Leidenschaft hatte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht.

 

– Reaktion der alten Freunde und viele neue Freunde –

Ich hab mich ziemlich aus allem zurückgezogen – Anime wurde quasi ein Ersatz. Selbst meine treuesten Kindheitsfreunde haben mich nur noch kaum zu Gesicht bekommen, oft kam ich von der Arbeit heim, zog mich um und bin gleich ins Bett, nur noch mit dem Laptop auf dem ich meine Animes sehen konnte.

Aus dieser Zeit kann man wohl auch meinen Nick ableiten: Ani = Anime und Manisch = für „krankhaft“ oder „besessen“, denn so war es auch. Ich habe zunächst niemandem davon erzählt, da ich dachte, dass sie viele Vorurteile haben würden, denn sind wir mal ehrlich: Ich wuchs in der Zeit auf, da liefen die meisten Animes wirklich als Kinderserien. An die, die erst spät abends liefen hatte ich keine Erinnerung und so hatte ich quasi trotz diesem Hobby eigene Vorurteile gegen mich selbst.

Das klingt alles sehr verwirrend und ich habe wirklich ziemlich lange gebraucht um den offenen Kontakt zu Leuten zu suchen die mein Hobby teilen, denn es hat mich genervt mit niemandem darüber reden zu können. So hab ich zunächst in Foren oder auf anderen Plattformen nach „Seelenverwandten“ gesucht. Nebenbei wuchs das Interesse auch an der japanischen Kultur weiter, also entschloss ich mich dazu, mich auf Interpals.net anzumelden, um mit echten Japanern zu reden wie es wirklich bei ihnen ist.

Ich verbrachte nun mehr und mehr Zeit auch wieder Kontakte zu knüpfen. Irgendwann überwand ich mich auch und erklärte meinen Freunden mein neues Hobby. Dennoch blieb ich schüchtern dabei, dass Anime nur einen gewissen Teil dieser Leidenschaft ist und ich viel mehr Japan als solches interessant finde. Diese Haltung spiegelt sich leider auch heute noch bei mir. Natürlich ist es nicht gelogen wenn ich sage, dass ich Japan als Ganzes sehr interessant finde. Dennoch ist einer der drei Hauptgründe und auch der am stärksten ausgeprägte: die Popkultur Japans.

Ich war überrascht wie positiv meine Freunde es aufgenommen haben. Es kann natürlich daran liegen, dass 20 Jahre Freundschaft einen auf alles vorbereiten kann, aber es war positiv, dass alle es so gut akzeptieren. Meine Eltern – eigentlich eher konservativ in vielen Dingen – fanden es besonders lustig, dass ich Japanisch lernen wollte und haben sogar ihrerseits versucht für mich Kontakte zu finden um das wirklich durchzuziehen. Es war super süß oder sollte ich „kawaii“ sagen?

 

– Der Weg an die Öffentlichkeit –

Es ist eine Sache, dass meine Freunde es akzeptierten, aber was würden andere Außenstehende davon halten? Es war genau die Zeit, in der auch die Medien vermehrt über sogenannte „Mangakiller“ und Nerds auf der GamesCom berichtet haben. Ich habe zu dem Zeitpunkt in einer WG gewohnt. Auch meinen Mitbewohnern war klar, dass ich dieses Hobby habe. Aber da wir alle Zocker waren und gern auch mal zusammen vor den Rechnern gehockt sind, störte sie es nicht.

Irgendwann hatte mein Mitbewohner die Idee: Er fragte uns, ob wir nicht auch Lust hätten auf einen Youtube Kanal. Er hatte schon mal einen eigenen und dies sollte ein zusätzlicher Anreiz sein, dass wir uns in gemeinsamen Gaming-Sessions mehr anstrengen sollen. Das war die Geburtsstunde von „DerWohnGamemeinschaft“ und gleichzeitig der Grundstein für meine ersten öffentlichen Bekenntnisse zum „Otakuissmus“. Regelmäßig erschienen Videos und wir hatten viel Spaß. Gemeinsam haben wir so ein neues Hobby entdeckt und auch mit wenig Abonnenten nie den Spaß verloren.

Irgendwann hat es mich gepackt. Es war mittlerweile Anfang 2014 und ich hatte endlich meinen inneren Zwist abgelegt und mich immer mehr zu dem Hobby bekannt. Ich startete auf dem Kanal meine eigene Serie – die „AniTipps“. Viel erhofft habe ich mir davon allerdings nicht. Da die Trennung zwischen Youtube-Leben und Privatleben immer noch sehr groß ist, war auch die Gefahr „sozialen“ Schaden im beruflichen Umfeld zu erleiden gering. Die Intension ist einfach möglichst vielen Nicht-Animefans zu zeigen, dass es sogar Anime gibt die sie interessieren könnten. Erste positive Erfolge stellten sich ein, denn scheinbar waren einige der Abonnenten selbst Otakus und reagierten prompt auf das neue Format. Ich fühlte mich sehr motiviert und führte dies auch einige Zeit lang relativ regelmäßig durch. Doch dann kam studium-bedingt eine Pause und wir haben den kompletten Kanal erstmal pausiert.

 

– Das erste aufeinander Treffen mit GermanOtaku –

Die Pause war sehr lang, also beschloss ich erstmals Werbung für die AniTipps zu machen. Ich war also nach heftigem inneren Monolog dazu bereit meine Videos in Facebook Gruppen zu posten.

Teilweise habe ich schon mit einem Shitstorm gerechnet, zu meinem Glück blieb dieser aus. Doch großen Anklang fanden meine Videos trotzdem nicht. Ich versuchte also erste Youtuber „Kollegen“ dreist anzuschreiben und stieß dabei sehr schnell auf Tomcras. Naja das ist auch keine Kunst, denn der Mann ist überall. Ich meine er ist quasi omnipräsent. Ich sah einen Post indem er sein Video bewarb, sofort musste ich mir seine Arbeit ansehen. Er hatte Abozahlen von denen ich nicht mal träume und eine rege Community. Alles was ich auch gern hätte.

Also schrieb ich ihm kurzerhand eine private Nachricht, wohlwissend, dass so jemand eigentlich nicht antworten würde. Doch er tat es. Ich zeigte ihm meine Videos und scheinbar hatte er Mitleid oder sah Potenzial, egal was ihn getrieben hat, er schlug mir vor zu GO zu kommen. Doch auch das zog sich noch eine ganze Zeit hin. Mein Abschluss stand bevor und ich beschloss das Ganze zu verschieben.

Im Oktober war es soweit: Ich startete einen Neuanfang. Neue Stadt, alte WG, aber trotzdem neuer Kanal. Diesmal nur noch um Anime und Manga. Mich hat mehr und mehr das Ziel gepackt ein positives Beispiel für die „Otakuszene“ zu werden und das jetzt gemeinsam mit GO. Ich bin nun seit kurzem Probemitglied. Wir stehen täglich im Kontakt, auch wenn der Ton mal rauer wird, ziehen alle an einem Strang. Dabei ist es egal, wie alt derjenige ist oder wo er herkommt.

Ich bin erstaunt von den Ideen die zustande kommen und davon, dass das Ganze langsam immer mehr Formen annimmt, die man sich gewünscht hat. Dabei ist GermanOtaku viel mehr als Youtube. Es sind Blogger, es sind Individualisten, es sind alles eigene Charaktere und es macht bis jetzt schon mächtig viel Spaß und ich blicke hoffnungsvoll in das Jahr 2015.

Abschließend kann man sagen, dass der Weg wohl inkonsequent ist, ich aber mittlerweile damit lebe. Mein Freundeskreis ist eben gewachsen. Auch meine Freundin ist ein kleiner Otaku 😉 was ganz süß ist. Aber ich habe mittlerweile auch die pure Sucht überwunde. Ich schaue noch gerne und viel Anime, aber habe in Youtube auch einen Kanal gefunden es rauszulassen. Das Schreiben hilft zusätzlich, mein Anliegen weiter zu tragen.

Ich hoffe ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt, heute einfach meinen Werdegang zu präsentieren. Gern komme ich auf die Punkte zurück, welche negativen Erfahrungen man auch machen kann und wie ich damit umgehe oder auch andere Themen. Eventuell wisst ihr ja was und wollt mich fragen. Ihr wisst ja, wie man mich und vor allem wo man mich überall erreichen kann. Bis dann!

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